Gurkenplatzer hat geschrieben: 15. Jul 2025, 21:47
Performance basierte Systeme sind nur dann zielführend und wirksam, wenn sie betrugssicher sind.
Tja, etwas nicht so wirklich durchdenken, ist leider nicht unüblich. Ich stell' mir das so vor:
Patient: "Ich kann nur noch 18 m weit ohne Schmerzen laufen!! Tun Sie doch was!!"
Gefäßchirurg: "Joa, also da zeigt das MRT ja ganz deutlich, dass da relevante Engstellen in Ihrer Oberschenkelarterie sind! Und das mit Ihrem Gehtraining die letzten drei Monate, das hat nicht geholfen?"
Patient: "Nee, also so gar nicht!!!"
Gefäßchirurg: "Na, da können doch die Radiologen mal PTA machen!"
(wird dann durchgeführt)
Radiologe: "Joa, also Gefäß ist offen! Sagen Sie uns, ob's wieder besser geht!"
Patient paar Wochen später bei der Nachkontrolle in der Gefäßsprechstunde: "Ach,
das hat ja super geholfen! Aber - das andere Bein tut aber noch weh??"
Gefäßchirurg: "Ja, da sind ja auch Engstellen!"
Patient: "Also was der Radiologe da neulich gemacht hat - das war gut!"
Gefäßchirurg und Radiologe: "Das ist ja fein! Dann machen wir das auch am anderen Bein!"
Patient erstmal zufrieden. Hat gut geholfen.
Voller Erfolg. Kann wieder mit seinem Hund spazieren gehen.
Ein Jahr später der Patient: "Es fängt wieder an mit diesen Beschwerden! Genau wie vor der Behandlung!"
Gefäßchirurg: "Tja, da ist wieder eine Engstelle im Gefäß. Das passiert leider. Da müssen die Kollegen noch mal ran! Wie läuft das denn so mit der Rauchentwöhnung?"
Patient: "Na ja, also na ja... kann man das nicht nochmal so behandeln?"
Radiologe: "Joa, aber weil das so schnell wieder eng geworden ist an dem einen Bein (an dem anderen hat's ja gehalten, gell?), sollten wir mit einem Spezialballon das nochmal aufdehnen!"
Patient nach der Bahndlung: "Ach, jetzt geht das mit dem Laufen ja wieder gut!!" und ist mit der
erfolgreichen Behandlung zufrieden.
Und das ziehen wir dann durch. Jedes Mal. Über paar Jahre. Jedes Mal erfolgreich von der PTA über die DE-PTA, vielleicht noch den Stent, die Stent-PTA/-Lyse, die Stentverlängerung, den Venenbypass, die PTA und Re-PTA des Venenbypasses, dann der Prothesenbypass. Ach, der geht auch mal zu? Mehr als einmal? Ja, also wir lösen die Gerinnsel
erfolgreich auf und der Patient kann wieder mit seinem Hund spazieren gehen und ist glücklich
über den Behandlungserfolg.
Gefäßdokters: "Gut, weiter rauchen und wieder kommen! Wir helfen Ihnen auch beim nächsten Mal
erfolgreich wieder. Dann aber mit der Bypassrevision und ggf. der Teilamputation, weil die Radiologen sagen jetzt kannste mache nix mehr interventionell!"
Ja, wird laufen. So wie jetzt. Und das sogar ganz ohne Betrug in einem System, in dem man vermutlich nicht mal dazu in der Lage sein wird, den Begriff "Behandlungserfolg" adäquat zu definieren.
Klingt irgendwie nach Satire? Ich wünschte es. Was ist nochmal zumindest einer der Gründe, warum die Kohle knapp ist im System?
